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Seitdem es den Menschen auf Erden gibt, gibt es auch Krankheiten, Verletzungen des Körpers und den Tod. Seit dieser Zeit gibt es auch Menschen, die den inneren Wunsch verspüren, den menschlichen Körper, dessen Vorgänge und Krankheiten zu verstehen, zu heilen, das Leben zu verlängern und den Tod zu überwinden.

Im Laufe der Jahrtausende entstanden viele verschiedene Heiltechniken und Ansichten über Krankheiten. Nachvollziehbar ist dies erst durch schriftliche Aufzeichnungen geworden.
Schon in der Jungsteinzeit, 3000 v. Chr. wurden rituelle Operationen, chirurgische Eingriffe, wie die Öffnung der Schädelhöhle und Amputationen durchgeführt. 2800 v. Chr. entstand das ältestes Chirurgiebuch „Papyrus Smith“ in Ägypten.

1700 v. Chr. entstand in Mesopotamien (alter Orient – Syrien, Irak, Ägypten) der „Codex Hammurapi“ mit Falldarstellungen und Gebührenordnung. Er befindet sich auf einem 2,25 Meter hohen schwarzen Basaltsein, der noch heute im Louvre in Paris zu bewundern ist.

Von ab 1500 v. Chr. fand man in Indien in den Veden Informationen über Ayurveda, das von indischen Ärzten angewendet wurde.

Von ab 500 v. Chr. fand man in China Akupunktur als Diagnose- und Therapiemethode.

400 v. Chr. begründete der griechische Arzt Hippokrates von Kós die Medizin, wie wir sie heute kennen und baute eine Krankheitslehre auf. Von ihm stammt die erste grundlegende Formulierung einer ärztlichen Ethik, der Eid des Hippokrates. Der Eid des Hippokrates wird in seiner ursprünglichen Form nicht mehr von Ärzten geleistet, enthält aber mehrere Elemente, die auch heute noch Bestandteil ärztlicher Ethik sind, wie das Gebot, Kranken nicht zu schaden, die Schweigepflicht, das Verbot sexueller Handlungen an Patienten etc.. Eine moderne Alternative ist die Genfer Deklaration des Weltärztebundes, die als Art Ehrenkodex gilt.

Diokles von Karystos, ein Anhänger von Hippokrates berichtete zur gleichen Zeit in seinen Werken über Hygiene, Heilkräuter, anatomische Untersuchungen und über die Chirurgie.
Im römischen Reich, 750 v. Chr.- 395 n. Chr., gab es eine Hochzeit in der Medizin. Der in Rom wirkende griechische Arzt Dioskurides verfasste um 60 bis etwa 78 n. Chr. das erste ausführliche Heilpflanzenbuch: „Materia medica“. Die ausführliche Beschreibung von rund 600 Kräutern entwickelte sich zu einem Standardwerk, das außerordentlichen Einfluss auf die europäische Medizin hatte und seine Gültigkeit bis weit ins 18. Jahrhundert behielt.

150 n. Chr. verfasste Claudius Gelenus (Galen), ein römischer Arzt von griechischer Herkunft, der zu den bedeutendsten Ärzten der Antike zählt, ein umfassendes System der Medizin, das mehrere Jahrhundert die Heilkunde beherrschte. Er hatte auch erkannt, dass Hygiene der Krankheitsverhütung dient.

Durch den Zerfall des römischen Reiches aufgrund von Völkerwanderungen und Pestwellen geriet eine bereits gut funktionierende medizinische Versorgung für Jahrhunderte in Vergessenheit. Die Ärzte, hauptsächlich bestehend aus Griechen, versanken in der Vergangenheit, kämpfen im Alltag gegen die Pest und den Tod. Inmitten dieses Chaos tat sich Benedikt von Nursia hervor und begründete das abendländische Mönchtum. Lange sammelte er Erfahrungen, verbrachte Zeiten in der Einsiedelei und gründete um 530 das Kloster auf dem Monte Cassino, Mutterorden für die Benediktiner. Aus eigenen Überzeugungen und Wissen entstanden Regeln, die gar der damalige Papst, Gregor der Große, als verbindlich für alle Klöster und die Kirche erklärte: Seele und Körper, deren Wohlbefinden wurde zum zentralen Anliegen. Therapien mit vor allem Heilpflanzen wurden ausprobiert, analysiert und großartige Klostergärten angelegt.

Hildegard von Bingen (1098 - 1179), Benediktinerin, seit 1136 Äbtissin, gilt als erste, nicht typische Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Ihre Leistung liegt unter anderem darin, dass sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der Volksmedizin zusammenbrachte und erstmals die volkstümlichen Pflanzennamen nutzte. Ihre bekanntesten Schriften sind die „Causa et curae“ und die „Physica“.

Gegenüber der westlichen Medizin adaptiert der arabische Kulturkreis das antike Wissen rascher. So erlebt die Medizin, ausgehend von Übersetzungen des griechischen Schrifttums, in Bagdad, Turkestan und Nordafrika bereits vom neunten Jahrhundert an eine Blüte. Griechische Klassiker werden in das Arabische übersetzt, es entsteht das erste System der arabischen Medizin und eine Systematisierung der griechisch-arabischen Chirurgie.

1000 n. Chr. verfasste der persische Arzt, Avicenna das medizinische Handbuch „Kanon der Medizin“, das 700 Jahre bis zum Beginn der modernen Medizin unumstritten war.

Im 10. Jahrhundert wurde in Italien die erste Schule für Medizin (medizinische Lehr- und Forschungsanstalt) in Salerno, Italien gegründet. Der Sage nach kam es folgendermaßen zu ihrer Gründung: Ein griechischer Pilger namens Pontus suchte während eines Sturms Unterschlupf unter den Bögen des Aquädukts zur Übernachtung. Ein zweiter Mann, Salernus, ein Latiner, rastete an der gleichen Stelle. Salernus war verletzt und behandelte seine Wunde, wobei er und seine Medikamente genau von Pontus beobachtet wurden. In der Zwischenzeit waren zwei weitere Reisende, der Jude Helinus und der Araber Abdela, hinzugekommen. Sie kümmerten sich gemeinsam um die Wunde. Schließlich kamen die vier überein, eine Schule zu gründen, in der ihre Kenntnisse gesammelt und verbreitet werden sollten. Frauen waren dort zum Studium zugelassen. Bereits im zehnten Jahrhundert wurde in Salerno auf hohem Niveau Medizin gelehrt.

1241 trennte Friedrich Barbarossa den Beruf des Arztes vom Arzneimittelhersteller im „Edikt von Salerno“, die ersten Apotheken entstanden.

1300 n. Chr. wurden in Italien die ersten Augengläser zum Lesen verwendet.

Beim Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit im 13. und 14. Jahrhundert brachte der „Schwarze Tod“ Missernten, Mangelernährung, Schwächung der Menschen und die Überfüllung von Städten mit sich. Die Klöster gaben ihre umfassende medizinische Versorgung auf. Die Pest verbreitete sich, nicht zuletzt durch die Verletzung einfacher hygienischer Grundregeln und Gebote, viele Menschen starben. Im 13. Jahrhundert setzte sich die europäische Heilkunde als Beruf durch. Zunächst waren es heilkundige, weise Frauen und Hebammen, die dieser Tätigkeit nachgingen. Sie standen bei der Bevölkerung in hohem Ansehen, während die damaligen Ärzte ein sehr geringes Gewicht beim Volk inne hatten. Paracelsus beispielsweise sagte, all sein Wissen habe er von den weisen Frauen gelernt. Es gab Spitäler in denen neben akut und chronisch Erkrankten, Pilger, Obdachlose, Alte, Arme und Invaliden untergebracht waren, Erkrankte an ansteckenden Krankheiten wurden nicht aufgenommen, sondern isoliert. Die medizinische Versorgung spielte dabei eine untergeordnete Rolle, da es nur wenige studierte Mediziner gab, im Spital hatten die Geistlichen einen großen Einfluss. Krankheiten galten als Strafe Gottes, in die der Mensch nicht einzugreifen hatte.

Den häufig theologisch vorgebildeten Ärzten wurde von der Kirche seit dem Konzil von Tours (1163) die Berührung mit Blut untersagt und die Durchführung von Operationen, die u.U. tödlich verlaufen könnten, so dass Bader und Barbiere die „kleine Chirurgie“ ausübten. Die Bader erlernten dies in einer dreijährigen Ausbildung neben dem Haarschneiden. Die Badestuben dienten nicht nur der Reinigung, sondern auch für medizinische Bäder (Schwitz- und Kräuterbäder), Schröpfen und Massagen. Der Bader richtete Beinbrüche und behandelte Vereiterungen, Pestbeulen und Zähne, er durfte seine Gäste mit Salben behandeln, Blutegel ansetzen, Klistiere (Einläufe) machen und „zur Ader lassen“, sie waren die Handwerksärzte.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus der Gruppe der Bader eine neue Berufsgruppe: Die Wundärzte bzw. Chirurgen. Bis 1576 waren die Chirurgen und Wundärzte noch in einer gemeinsamen Zunft mit den Badern, dann in einer Zunft mit den Schreinern und Drehern zusammengeschlossen.

1600 - 1800 lastete die ärztliche Versorgung im Wesentlichen auf den Schultern der Wundärzte. Da die Badehäuser um 1650 geschlossen wurden, praktizierten die Wundärzte ab dann im Freien oder „fahrend“. Durch die weiteren Einrichtungen von Krankenhäusern und die Versorgung von Medizinern auch für Arme wurde der Berufszweig bald verdrängt.

In der Qualität der Patientenversorgung unterschieden sich die als Handwerker organisierten Bader und Chirurgen bis in das 18. Jh. hinein von den akademisch gebildeten Ärzten (Medici). Es bestand eine scharfe Trennung (und wechselseitige Abneigung) zwischen beiden Berufsgruppen. Weitere Heilberufe waren Hebammen & Apotheker, heilend ausübend waren auch Totenbegleiter, Kräuterfrauen, Weise Frauen, Heilerinnen und Seherinnen.
In der abendländischen Kultur hatte die Frau als Hüterin der Geheimnisse um das Wohl des Menschen, um seine Zeugungskraft und Fruchtbarkeit ihren festen Platz. Lange Zeit waren Priesterinnen stets auch Heilerinnen, das geheime botanische Wissen um Kräuter, Massagen und Tinkturen und deren Heil- und Giftwirkung zeichnete die weisen Frauen aus. Sie beherrschten im Mittelalter das Gesundheitswesen und hatten eine sehr enge Bindung an Garten und Natur. Die meisten heilkundigen Frauen waren Pflegerin, Ärztin, Ratgeberin und Hebamme in einer Person. Sie wurden bei Krankheiten und Entbindungen gerufen, um zu heilen und zu helfen - gleichgültig, ob bei Nasenbluten, Gicht, Warzen, Erkältungen oder einfach nur gegen Liebeskummer und Depressionen. Es gab kaum ein körperliches oder seelisches Leiden, bei dem sie keine Abhilfe schaffen konnten. Sie waren mit den meisten Heilkräutern vertraut und kannten die besten Standorte.

Obwohl der Anbau von Nutz- und Heilpflanzen auch später wieder in den Klöstern verbreitet war, vermochten die Kleriker nicht mit der Kunst der Heilerinnen zu konkurrieren. Besonders die Betreuung von Schwangeren lag in den Händen der heilkundigen Frauen. Sie kannten zum Teil bis zu einhundert verschiedene Mittel, sie beherrschten die Möglichkeiten der Geburtenkontrolle, hüteten die Geheimnisse der Geburtshilfe und wussten um die natürlichen Mittel zur Abtreibung oder Schwangerschaftsverhütung. Auch der Kaiserschnitt fand bereits Anwendung. Sie gaben Schwangeren wertvolle Ratschläge, kannten die am wenigsten schmerzhafte Gebärstellung, behandelten die werdenden Mütter mit wehenfördernden Tinkturen und halfen mit krampflösenden Tees die schlimmsten Schmerzen zu lindern.

Damit jedoch zogen sie sich vielerorts den Zorn des Klerus zu. Schon die Kirchenväter postulierten, dass eine Geburt unter Schmerzen vonstattengehen solle. Schnell wurde den Hebammen ihre Kunst als Blasphemie ausgelegt: eine Frau, die sich anmaße zu heilen, ohne studiert zu haben, sei eine Hexe und müsse somit sterben. Heilen sei generell von Übel, außer die Kirche selbst kuriere oder Ärzte handelten unter den wachsamen Augen eben dieser. Wusste ein Arzt einem Patienten nicht zu helfen, eine heilkundige Frau hingegen schon, sei offensichtlich Magie im Spiel. Wurden magische Praktiken jedoch mit dem Symbol des Kreuzes oder unter Anrufung der heiligen Jungfrau durchgeführt, so galt es als christliche Handlung.

Von 1238-1800 wurden ca. 60.000 Menschen in Europa der Hexerei beschuldigt, verfolgt und mit all ihrem Wissen umgebracht, davon über 20.000 Weise Frauen. Thomas von Aquin (1225-1274), bedeutendster und einflussreicher Philosoph und Theologe des Mittelalters, bestätigte die Existenz von Hexen und erklärte, dass es Magie gebe und dass sie nicht Werk der Hexen, sondern des Teufels sei. Später folgten wissenschaftliche Begründungen für den Hexen- und Dämonenglauben.

Nachdem die Ausübung des Heilberufes nun ein Universitätsstudium voraussetzte, wurden Lizenzgesetze geschaffen, die ausschließlich männlichen Ärzten die Praxis gestatteten. Dadurch gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Medizinern „alter und neuer Schule“, die bis heute nachwirken. Geburtshilfe und Frauenheilkunde wurde im 15. Jahrhundert unter die Aufsicht der Stadtärzte gestellt, die Hebamme ward zur Helferin.

Das medizinische Volkswissen im europäischen Kulturraum wurde über Generationen hinweg weiterentwickelt und ist heute eng mit der Naturheilkunde verwandt. Die Trennung von der Schulmedizin begann spätestens ab dem 19. Jahrhundert mit der zunehmenden medizinischen Forschung an Hochschulen und der Entwicklung chemischer Arzneimittel. Moderne Präparate basieren sehr oft auf Wirkstoffen, die auch in der Volksmedizin verwendet wurden. Nur sind dabei die jeweiligen Wirkstoffe isoliert, chemisch analysiert und werden teils synthetisch hergestellt.

1500 n. Chr. entwarf Paracelsus, Arzt und Naturforscher, eine umfassende Heilkunst und Lebenskunde.

In der Zeit von 1500-1700 wurden viele anatomischen Details entdeckt und beschrieben, wie die neuzeitliche Anatomie „Fabrica“, der Blut- und Kapillarkreislauf und die moderne pathologische Anatomie, was zum Ausbau der neuzeitlichen Chirurgie führte.

1700 wurde die moderne pathologische Anatomie von Morgagni begründet.
1754 promovierte die erste Frau, die Arzttochter Erxleben, an der Universität Halle zum Dokter der Medizin.
1779 verfasste Frank ein Werk zur Grundlegung der Hygiene
1796 wurde die erste erfolgreiche Pockenimpfung durchgeführt.
Ab 1800 wurden weitere Bereiche begründet, wie die allgemeine Gewebelehre, die Lehre von den Zellen, moderne Narkoseverfahren, die moderne Physiologie und Pathologie.
Um 1880 begründeten Pasteur und Koch das Zeitalter der Bakteriologie und Ehrlich die Immunitätslehre.
1871 erfand der amerikanische Zahnarzt Morrison die Tretbohrmaschine (mit bis zu 2000 Umdrehungen pro Minute).
1886 veröffentlichte der deutsche katholische Pfarrer und Naturheilkundige Sebastian Kneipp sein Buch „Meine Wasserkur“.
1895 entdeckte der deutsche Physiker Röntgen die X-Strahlen.
1899 beschloss der deutsche Bundesrat Frauen zum Medizinstudium und zu den Prüfungen zuzulassen.
Ab 1900 baute Freud die Psychoanalyse auf und Cushing eine spezialisierte Neurochirurgie.
Der aus Polen stammende Biochemiker Funk entdeckte 1913 die Vitamine.
1922 wurde erstmals Insulin zur Behandlung von Diabetes eingesetzt, 1928 wurde Penicillin von Fleming erfunden und 1942 eingeführt.
1931 entwickelt der deutsche Physiker Ruska in Berlin das Elektronenmikroskop und der deutsche Chirurg Nissen entfernt zum ersten Mal operativ einen Lungenflügel.
1948 wurde die Weltgesundheitsorganisation gegründet (WHO).
1950 wurde die erste Nierentransplantation durchgeführt.
1953 enträtselte Crick die Struktur der DNS und der amerikanische Herzchirurg Gibbon setzte die Herz-Lungen-Maschine bei der Operation am offenen Herzen ein.
1967 wurde das erste Herz transplantiert.
1976 entwickelte der britische Elektroingenieur Hounsfield die erste Computertomographie, die Pocken wurden offiziell als ausgerottet deklariert.
1983 wurde die Kernspintomographie klinisch eingeführt.
Ab 1985 entstand eine globale Entwicklung der molekularen Medizin.

 

Quellen:

www.deutschlandmed.de, www.med-kolleg.de, www.uni-marburg.de, Deutsches Wikipedia - Regionalgeschichte, www.aerzteblatt.de - Die Medizinschule von Salerno - Weg zur Wissenschaft, Deutsches Wikipedia - Volksmedizin

 

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